Da sagte Jesus zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. (Markus 6, 31)
Immer da sein für andere und ihre Anliegen, keine Zeit zur Erholung, nicht einmal zum Essen. Passt das nicht zu unserer Zeit, wo ständige Erreichbarkeit, sei es am Arbeitsplatz, sei es privat, in den sozialen Medien, zur Norm wird? Und ist es immer der Arbeitgeber, der das fordert, oder hängt es auch damit zusammen, dass wir Angst haben, etwas Interessantes zu verpassen, oder dass wir uns für unersetzlich halten?
Aber nicht einmal Jesus muss pausenlos erreichbar sein. Er ermutigt seine Jünger, sich mit ihm zurückzuziehen. Und bei anderen Gelegenheiten heisst es, dass er sich auch Zeit nimmt, um seelisch-spirituell aufzutanken, indem er an einem einsamen Ort betet. Und es ist nicht so, dass die Alternative sinnlos wäre. All die Menschen, die sich von Jesus etwas erhoffen, sind wichtig. Und Jesus nimmt sie auch ernst. Ein anderes Mal verzichtet er für sie auf seine Erholung. Aber immer geht das nicht.
Und wenn sogar Jesus, der Sohn Gottes, das nicht kann, wie sollten dann wir normalen Menschen das können?
Ewiger Gott,
Du bist ein menschenfreundlicher und geduldiger Gott,
Du sagst uns, dass wir einander lieben sollen – wie uns selbst.
Hilf uns, die Balance zu finden.
Hilf uns, für andere da zu sein, ohne uns aufzugeben,
und für uns, unsere Bedürfnisse und unsere Beziehung zu Dir Sorge zu haben,
ohne unsere Mitmenschen und ihre Bedürfnisse zu vergessen.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
