Da fragten Jesus seine Jünger: «Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst oder seine Eltern, so dass er blind geboren wurde?» (Johannes 9,2)
Die Antwort von Jesus im darauffolgenden Vers ist klar: «Weder er noch seine Eltern haben gesündigt». Wir dürfen nicht vom guten oder schlechten Ergehen eines Menschen auf ein gleiches Verhalten schliessen.
Es verletzt den Gerechtigkeitssinn von vielen Menschen, wenn sie zusehen müssen, wie unschuldige Menschen in schlimmsten Verhältnissen leben müssen. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, schleicht sich der Gedanke ein: Irgendwie werden sie es schon verdient haben.
Nein! Gott ist kein Bestrafungsautomat und übrigens auch kein Belohnungsautomat. Gott steht als schaffende Hand hinter dieser Welt und als begleitende Hand hinter jedem einzelnen Menschen, aber Gott ist kein Mechanismus. Das stört zwar unser Bedürfnis nach Klarheit und Einfachheit, aber damit müssen wir leben.
Ewiger Gott
Du begleitest uns Menschen
durch Glück und Leid,
durch Schuld und Verantwortung.
Hilf du uns,
dass wir in der Komplexität des Lebens
den Kopf nicht verlieren.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
