Bin ich denn ein Gott der Nähe, Spruch des HERRN, und nicht auch ein Gott der Ferne? (Jeremia 23,23)
Auch ich bin geneigt zu predigen, dass Gott unsere Nähe sucht, dass Gott uns Menschen trägt und tröstet. Dieser Vers macht mich aber auf einen wichtigen Stolperstein aufmerksam. Er steht im Zusammenhang einer grösseren Rede des Profeten Jeremia gegen andere Profeten, die behaupteten, sie wüssten ganz genau, was Gott will und tut – offensichtlich nicht das gleiche, was Jeremia verkündetete.
Behauptete Nähe ist noch keine tatsächliche Nähe. Und vor allem: Die Annäherung liegt nicht in meiner Hand, sondern ausschliesslich in der Hand Gottes. Ich weiss nichts von Gott. Gott zeigt sich mir. Bei allem, was ich über Gott zu wissen meine, muss ich mich hinterfragen: Bin das ich, oder ist das Gott? Dass Gott unsere Nähe sucht und in Jesus von Nazareth ganz besonders gesucht hat, ist in der Bibel aber so reichlich bezeugt, dass ich getrost daran festhalte.
Ewiger Gott
Du hältst mich, aber lässt dich nicht ergreifen.
Du bist fern und doch ganz nah.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
