Wohnt denn Gott wirklich auf der Erde? Siehe, selbst der Himmel und die Himmel der Himmel fassen dich nicht, wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe. (Könige 8,27)
Dies Worte werden König Salomo anlässlich der Einweihung des ersten Tempels in Jerusalem in den Mund gelegt. Und sie räumen gleich ein potenzielles Missverständnis aus. Gott «wohnt» nicht im Tempel – und auch nicht in einer Kirche – und wenn diese noch so schön oder beeindruckend sind. Gott «wohnt» auch nicht im Himmel. Denn auch dieser kann Gott nicht fassen. Gott sprengt unser Vorstellungsvermögen von Raum und Zeit.
Doch der Umkehrschluss gilt nicht: Wenn Gott nirgends «wohnt», dann gibt es ihn nicht. Denn: Gott sprengt unser Vorstellungsvermögen von Raum und Zeit. So ist alles von Gott durchdrungen. Unser Leben in dieser Welt genau so wie die Weiten des Himmels und das Jenseits der Welt Gottes. Gott «wohnt» nicht da, aber Gott ist da. Die Begegnung ist möglich, auch im Tempel, aber auch an vielen anderen Orten.
Ewiger Gott
Du bist gegenwärtig.
Nicht nur jetzt, sondern von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Nicht nur hier, sondern überall
Berühre uns mit deiner Gegenwart.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
