Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du. (5. Mose 5, 13-14)
Die zehn Gebote sind in der Bibel zweimal überliefert: im 2. Buch Mose, Kapitel 20, und im 5. Buch Mose, Kapitel 5. Man könnte viel dazu sagen. Ich beschränke mich auf diese beiden Verse und was unmittelbar folgt, die Begründung für das Gebot. Diese ist nämlich völlig verschieden. Wir kennen eher diejenige aus dem 2. Buch Mose. Weil Gott am siebten Tag der Schöpfung geruht hat, sollen auch wir am siebten Tag ruhen.
Im 5. Buch Mose ist das Argument ein anderes: weil Israel Sklave in Ägypten war und Gott das Volk herausgeführt hat, soll es am siebten Tag ruhen. Und das gilt für alle, also auch für die Menschen am unteren Rand der Gesellschaft, die kaum Rechte haben.
Beide Begründungen greifen tief menschliche Bedürfnisse auf. Erholung von anstrengender Arbeit und soziale Gleichbehandlung einerseits. Musse und die Freude an dem, was man erreicht hat, und an dem, was einem geschenkt ist, andererseits. Ähnlich heisst es im Schöpfungsbericht in Bezug auf Gott selbst: «Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut.» (1. Mose 1, 31)
Ewiger Gott,
Du hast uns die Ruhe geschenkt, jede Woche einen ganzen Tag.
Gib allen in diesen Sommerferien, die Erholung, die sie nötig haben. Erfreue ihr Herz mit der Schönheit der Schöpfung.
Und lass uns auch an jene denken, die kaum Möglichkeiten haben, sich auszuruhen oder sich etwas Spezielles zu gönnen.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
