Wie lange noch, Herr, vergisst du mich ganz? Wie lange noch verbirgst du dein Gesicht vor mir? Wie lange noch muss ich Schmerzen ertragen in meiner Seele, in meinem Herzen Kummer Tag für Tag? Wie lange noch darf mein Feind über mich triumphieren? (Psalm 13, 2-3)
Der Person, die sich hier an Gott wendet, geht es nicht gut. Sie fühlt sich vergessen, hat Schmerzen und einen Feind, der nicht triumphieren soll. In dieser Form und in diesem Zusammenhang können wohl die meisten dieses Gebet verstehen. Es gibt andere Gebete, wo mit viel härteren Worten um Hilfe gegen Feinde gebeten wird. Für sich genommen können diese Formulierungen erschrecken oder abstossen.
Aber vergessen wir nicht: viele dieser Gebete sind aus Machtlosigkeit entstanden. Aus Angst, die in Hass umschlagen kann. Und: es geht um ein Gebet, eine Bitte an Gott, nicht um eigenes Handeln. In anderen Zusammenhängen kann es auch problematisch sein, alles von Gott zu erwarten, ohne eigenes Zutun. Wenn es um Hilfe gegen jemanden oder gar um Rache geht, ist das ganz gut.
Ewiger Gott,
manchmal sind wir verletzt, wütend, haben Angst vor dem, was kommt und was jemand uns antun könnte. Wir bitten Dich, schütze uns, wenn wir Angst haben, ermutige uns, lass uns Auswege finden, die für alle passen.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
