«Bedächtige Worte von Gebildeten hört man sich lieber an als das Geschrei des Herrschers der Ungebildeten, und Wissen ist besser als Waffen – aber ein einziger, der falsch entscheidet, kann viele Werte zerstören.» (Kohelet 9, 17-18)
Das Buch «Kohelet» oder «Prediger» passt gut in unsere Zeit, obwohl es weit über 2000 Jahre alt ist. Typisch ist sein distanziertes Nachdenken über das Leben und was es lohnend macht. «Alles hat seine Stunde» (Kapitel 3) passt zu vielen Gelegenheiten.
Aber dieser Satz «Ein einziger, der falsch entscheidet, kann viele Werte zerstören» trifft fast zu gut, was heutzutage geschieht. So viel hängt von den Entscheidungen weniger mächtiger Menschen, oft Männern, ab. Klugheit und Wissen behalten viel zu selten die Oberhand.
Kohelets Stärke liegt im Beobachten und Analysieren, nicht im Trösten. Am ehesten ermuntert noch seine Gelassenheit. Für sich findet er die Lösung, anständig zu bleiben und das zu geniessen, was einem möglich ist – obwohl das Leben begrenzt ist und oft unerwartete Wendungen nimmt. «Mit einer Frau, die du liebst, genieß das Leben alle Tage deines Lebens voll Windhauch, die er dir unter der Sonne geschenkt hat, alle deine Tage voll Windhauch. Denn das ist dein Anteil am Leben und an dem Besitz, für den du dich unter der Sonne anstrengst.» (Vers 9,9)
Ewiger Gott,
wir verstehen oft nicht, welche Wendungen das Leben nimmt, wie viel Macht die einen über die anderen haben, und wieso sie sie so einsetzen wie sie es tun.
Schenk du uns die Gelassenheit, mit diesem Unwissen zu leben, und lass uns das Beste für uns und die anderen aus diesem Leben machen.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
