Dein Wort ist meines Fusses Leuchte
und ein Licht auf meinem Weg.
(Psalm 119,105)
Dieser Vers lässt einen trefflich darüber philosophieren, was eigentlich mit dem «Wort» da gemeint ist. Die Bibel kann es nicht sein, denn von der Bibel existierten zur Zeit, als der Psalm entstand, erst ein kleiner Teil. Überhaupt darf man in einer Kultur, in der nur die wenigsten Lesen und Schreiben konnten, «Wort» nicht vorschnell mit etwas Schriftlichem verknüpfen.
Wort Gottes war damals definitiv mehr als ein klar abgegrenzter Textbestand aus der fernen Vergangenheit. Es konnte genauso durch den Mund eines Propheten ergehen oder durch die fromm-gelehrte Interpretation eines bestehenden (heute biblischen) Textes. Warum sollte das heute anders sein?
Das Ziel der Beschäftigung mit dem Wort ist in diesem Psalmvers eindeutig: Es soll Licht sein auf meinem Weg, den ich im Vertrauen auf Gott gehe. Es soll mir bei der Bewältigung meines Alltags helfen, ja mir diese Bewältigung überhaupt erst ermöglichen. Dabei nimmt die Bibel und die Beschäftigung damit in der christlichen Tradition sicher eine wichtige Stellung ein.
Doch wer sagt, dass Gott nicht auch auf ganz andere Weise Licht in mein Leben bringen kann?
Ewiger Gott
Rühre du mich an
mit Worten, Gesten, Gedanken.
Sei du mein Licht.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
