Seht, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe; seid daher klug wie die Schlangen und arglos wie die Tauben! (Matthäus 10, 16)
Wölfe und Schafe passen nicht zusammen. Dem würden wohl auch die meisten Naturschützer zustimmen, obwohl sie mit Schafzüchterinnen nicht der gleichen Meinung sind, wie man die beiden Tierarten auf (für die Schafe) sichere Distanz von einander halten soll. Und so ist das Bild, dass die Jünger sich wie Schafe unter Wölfen fühlen werden, eine Warnung, dass es nicht einfach wird, wenn sie den Auftrag von Jesus ausführen und ausziehen um zu verkündigen und zu heilen.
Soweit, so nachvollziehbar. Aber wie ist das mit den Schlangen? Bei Klugheit und Schlangen denke ich vor allem an die Schlange, die im Paradies die ersten Menschen verführt, vom Baum der Erkenntnis zu essen. Und ob die als Vorbild taugt? Als Schaf unter Wölfen wäre es trotzdem gut, klug vorauszusehen was kommen kann. Das macht es einfacher, sich zu schützen.
Aber dieser Gedanke passt dann gar nicht zu der Arglosigkeit der Tauben. Vom griechischen Wort her könnte man auch «rein» oder «unschuldig» schreiben. Tauben galten auch als Symbol für Liebe. Und wie passt das zur schlangengleichen Klugheit?
Vielleicht so: das Beste erwarten und dann doch nicht im Innersten getroffen sein, wenn es anders kommt?
Ewiger Gott,
Du hast alles geschaffen. Die harmlosen Tiere und die gefährlichen. Die Tiere, die für uns Menschen nützlich sind und die anderen.
Und Du hast uns geschaffen, als Dein Ebenbild, und doch den Tieren in vielem verbunden. Im Angewiesen-Sein auf Nahrung und Wasser und manchmal auch im Verhalten.
Hilf uns, ohne Hintergedanken aufeinander zuzugehen. Und schenke uns genug Selbstliebe und Liebe von Dir, dass uns Ablehnung und Misstrauen nicht zerstören.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
