Gott der Heerscharen, kehre doch um,
blicke vom Himmel herab uns sieh.
(Psalm 80,15)
Das Hebräische braucht im ersten Teil dieses Verses ein Wort, das zurückkehren oder zurückkommen heissen kann. Es ist aber auch das klassische Wort, wenn es um Reue, Schuld und die darauffolgende Umkehr geht. Vorher wird im Psalm beklagt, dass Gott selber die Mauern des «Weinbergs Israel» eingerissen hat, so dass er nun von Wildschweinen zerstört wird. Es folgt die Bitte, sich des Volkes Israel wieder anzunehmen.
Interessanterweise machen fast alle gängigen Übersetzungen aber einen grossen Bogen um die Idee, dass der Psalmdichter hier Gott zur Umkehr rufen könnte. So frei nach dem Motto: Das gehört sich doch nicht! Sie winden sich mit Umschreibungen: «wende dich um», «kehre zurück» oder ähnlich.
Mir gefällt die Vorstellung, dass der Psalmdichter in seiner Not hier Gott herausfordert und Gott auffordert gleich wie ein Mensch seinen Fehler einzusehen und umzukehren. Seine Beziehung zu Gott ist offensichtlich so fest, dass sie das aushält Aber eben: Das mit der Umkehr gilt nicht nur für Gott sondern auch für uns Menschen.
Ewiger Gott
Hilf mir, meine Fehler einzusehen,
die Sackgasse zu verlassen
und deinen Weg zu suchen.
Michael Rahn, Pfarrer
