Und was einst geschrieben worden ist, ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben. (Römerbrief 15,4)
Die Kirche soll ihr Image entstauben und auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen, lese ich in der Kirchenzeitung reformiert. Das Image ist die Aussensicht, es muss nicht zwingend mit dem übereinstimmen, was wirklich «drinnen» geschieht. Das ist das eine.
Das andere, dass in anderen Zusammenhängen «alt» (wenn auch nicht unbedingt «verstaubt») durchaus den Bedürfnissen entspricht. Das gilt nicht nur für alten Wein oder Grossmutters Hausmittel, sondern auch für Weltanschauliches. So wird dem Christentum ja auch vorgeworfen, dass es älteres, stärker naturverbundenes Wissen bekämpft und zerstört habe. Auch Yoga wir oft mit Hinweis auf alte Weisheiten angepriesen. Das gleiche gilt für buddhistische Lehren.
Nur der christliche Glaube, habe ich manchmal den Eindruck, der muss topmodern sein. Und wo er es nicht ist, wird davon ausgegangen, dass er nicht relevant sein kann. Sicher, manche Formulierungen sind so alt, dass man sie kaum mehr versteht. Und ja, manche Vorstellungen kann man heute fast nicht mehr nachvollziehen. Für uns ist die Erde keine Scheibe, die von Säulen im Urmeer gehalten wird. Aber ändert das etwas daran, dass die Welt, die Natur etwas zum Staunen ist?
Vor und nach diesem Vers im Römerbrief geht es um Jesus Christus und darum, was er für Christen und Christinnen und ihr Zusammenleben bedeutet. Wie sollen wir miteinander umgehen? Gibt es Hoffnung angesichts der Ungerechtigkeit und Brutalität in der Welt? Und wenn ja, worin liegt sie? Das sind zeitlose Fragen. Im christlichen Glauben suchen wir die Antworten im Dialog mit Jesus Christus und mit dem, was uns über ihn überliefert ist. Und in diesem Zusammenhang kann «alt» auch «bewährt» und «bedenkenswert» heissen.
Ewiger Gott,
du hast Dich uns in Jesus Christus nochmals ganz neu gezeigt.
Du kommst auf die Erde und hoffst, uns Menschen so direkter begegnen zu können.
Wir bitten Dich, lass uns offen sein für das, was zählt, für das, was uns Hoffnung gibt,
für uns als einzelne, für das Zusammenleben und für die Ewigkeit.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
