Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. (Römerbrief 12,21)
Wenn es doch nur so einfach wäre! Doch leider ist so mancher, dessen Taten ich persönlich als Böse bezeichnen würde, davon überzeugt, dass er das Gute tue. Und was ich tue und sage, wird manch anderen nicht behagen. Was ist gut, und was ist böse? Nicht einmal der Verweis auf die Bibel bringt uns an ein sicheres Ufer, denn mit diesem Verweis wurde schon so manche Gräueltat verübt. Die Stichworte: Kreuzzüge und 30-jähriger Krieg mögen als Beispiele genügen.
Nachdenklich macht mich vor allem der zweite Teil des Verses. Der meint zwar zu wissen, was «das Böse» ist, will es aber nicht mit «dem Guten», sondern nur mit unbestimmtem Gutem überwinden. Und er will auch nicht bekämpfen oder besiegen, sondern nur überwinden. Es geht also gerade nicht um den grossen Kampf von Gut gegen Böse, wie er in heutigen Diskussionen auch in der Kirche nur allzu oft heraufbeschworen wird. Wer diesen Kampf führt, gerät nur allzu schnell in die Gefahr, dass er für seinen guten Zweck böse Mittel gebraucht und damit den Zweck pervertiert.
Es geht darum, dass ich in meinem gewöhnlichen, alltäglichen Leben versuche Gutes zu tun und damit einen winzig kleinen Beitrag dazu leiste, dass das Böse in dieser Welt etwas weniger dominiert. Das muss genügen.
Ewiger Gott
Hilf mir,
das Gute zu sehen, das ich tun soll.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
