Als es Tag wurde, rief er (Jesus) seine Jünger zu sich und wählte aus ihnen zwölf aus; sie nannte er auch Apostel: Simon, dem er den Namen Petrus gab, und sein Bruder Andreas, dazu Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Matthäus und Thomas, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Simon, genannt der Zelot, Judas, der Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot, der zum Verräter wurde. (Lukas 6, 13-16)
Hier scheint alles klar. Die zwölf Apostel, ein Teil der grösseren Gruppe der Jünger und Jüngerinnen von Jesus, werden einzeln aufgezählt. Zuerst diejenigen, deren Berufung zur Nachfolge am Anfang vom Wirken Jesu erzählt wird, zuletzt Judas Iskariot, der zum Verräter werden wird.
Aber wenn man die Liste mit den Listen im Matthäusevangelium (10, 2-4) oder im Markusevangelium (3, 13-19) vergleicht, fällt auf, dass hier ein zweiter Judas genannt wird, bei den anderen beiden dafür ein Thaddäus. Hinzu kommt, dass im Johannesevangeliums 1,45 ein Nathanael genannt wird, der auch ganz früh zu den Jesus-Jüngern hinzukommt, etwa dann, wo die anderen Evangelien von Bartholomäus erzählen.
Und schon ist die historische Greifbarkeit des Ganzen wieder ruiniert. Das Unbehagen mit diesen Widersprüchen hat bei mir dazu geführt, dass ich die Namen der zwölf Apostel nie sehr wichtig genommen habe.
Und doch, diese Namen und die (oft kleinen) Geschichten, die mit einem Teil von ihnen verbunden sind, sind ein Versuch, die Individualität dieser Menschen, die Jesus nachfolgen, ernst zu nehmen. Auch wir wären ja nicht gerne einfach Jünger Nummer 54 oder Jüngerin 37.
Ewiger Gott,
für Dich sind wir nicht einfach Nummern, sondern individuelle Menschen, mit einem Namen.
Das gilt auch dann, wenn andere uns nicht ernst nehmen oder unseren Namen verdrehen.
Danke, dass Du uns in allem begleitest.
Brigitta Josef, Pfarrerin
