Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt trägt. (Johannes 1, 29)
Ursprünglich ist es Johannes der Täufer, der diese Worte sagt. Sie sind aber in unzählige Abendmahlsliturgien aufgenommen worden, in dieser und in anderen Übersetzungen. Oft heisst es auch «… das die Sünde der Welt hinwegnimmt». Beide Übersetzungen sind korrekt. Aber mir gefällt das Bildhafte an «… das die Sünde trägt».
Manchmal haben wir (oder manche von uns) das Gefühl, dass alles auf unseren Schultern lastet: von den alltäglichen Aufgaben in Haushalt und Beruf über belastende Situationen mit Kindern oder alt werdenden Eltern zur ganzen düsteren Lage der Welt mit all der Schlechtigkeit in ihr.
Mindestens für die letzte Form von Belastungen gilt das nicht, wenn man diesen Vers ernst nimmt. Vieles in der Welt ist bedrohlich und entwickelt sich in eine Richtung, die noch schlechter aussieht. Aber das müssen wir nicht alles auf unsere Schultern nehmen. Es ist ein anderer, der sich dieser Schlechtigkeit annimmt, der sie trägt. Und das ist gut so.
Jesus Christus,
oft fühlen wir uns für viel zu viel verantwortlich.
Hilf uns zu erkennen, wo unsere Aufgaben liegen und sie zu erfüllen –
und das andere anderen Menschen und Dir zu überlassen. Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
P.S. Es ist Ferienzeit, darum erscheint mein nächstes «Wort zum Tag» am 16. August. Ihnen allen eine frohe Sommerzeit.
