Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt und dessen Name Der-Heilige ist: In der Höhe und als Heiliger wohne ich, bei den Zerschlagenen und Erniedrigten, um den Geist der Erniedrigten zu beleben und das Herz der Zerschlagenen zu beleben. (Jesaja 57,15)
«Was gilt jetzt?» könnte man nach der Lektüre dieses Verses fragen. Wohnt Gott jetzt in der Höhe oder bei den Erniedrigten? Beides gilt, sagt der Vers. Gott erweist sich gerade dadurch als der Hohe, dass er die Zerschlagenen neu belebt. Der Vers schafft es, Gott gleichzeitig im Himmel und im tiefsten Dreck zu denken. Das ist keine Kleinigkeit.
Eine Frömmigkeit, die nur in die Höhe schaut, wird abgehoben und im schlimmsten Fall menschenfeindlich. Eine Frömmigkeit, die nur auf die Elenden dieser Welt schaut, verliert ihren Grund und Boden und vermutlich irgendwann sich selber. Die Bibel erinnert uns nicht nur hier daran, das eine mit dem anderen zu verbinden. Der hohe Gott steigt in den Abgrund ohne seine Erhabenheit zu verlieren. Christus kommt in die Welt, wird gekreuzigt und von den Toten auferweckt. Das ist der gedankliche Balanceakt, der das Christentum prägt. Er sollte nicht nur Gedanke bleiben, sondern in die Tat umgesetzt werden.
Ewiger Gott
Du bist unvorstellbar gross.
Du bist über allem und in allem.
Auch im tiefsten Elend,
auch bei den Verzweifelten und Hoffnungslosen.
Hilf uns dies zu verstehen und danach zu handeln.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
