Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen; so wird deutlich, dass das Übermaß der Kraft von Gott und nicht von uns kommt. (2. Korintherbrief 4, 7)
Kennen Sie den Aufdruck «fragil» auf Versandschachteln und Umzugskisten? Er soll darauf hinweisen, dass das, was drinnen ist, zerbrechlich ist, dass man aufpassen soll, damit der wertvolle Inhalt nicht kaputtgeht.
In letzter Zeit ist mir das französische Wort «fragilité» mehrmals begegnet. Ich mag seine Mehrdeutigkeit. Auf Deutsch muss man sich zwischen «Zerbrechlichkeit» und «Gebrechlichkeit» entscheiden. Und gerade in dem Zusammenhang, wo es mir zuletzt begegnet ist, passt genau diese Mehrdeutigkeit. Es geht um christliche Gruppen und Gemeinschaften in der Schweiz. Viele davon sind zerbrechlich geworden, nicht zuletzt, weil viele ihrer Mitglieder gebrechlich werden. Aber eben, «zerbrechlich», da denke ich (auch) an wertvolles Porzellan, das nicht kaputtgehen soll.
Im Bibelvers kommt eine andere Bedeutung hinzu. Dort steht eigentlich «aus Ton» oder altmodischer «irden». Es geht also um gewöhnliches Geschirr, das aber auch zerbrechlich ist. Und doch: auf uns, auf gewöhnliche und zerbrechliche Menschen lässt Gott sich ein.
Ewiger Gott,
wir müssen uns nicht künstlich klein machen, um zu sehen, wie zerbrechlich das menschliche Leben ist. Und doch lässt Du Dich darauf ein, in immer neuen Anläufen, zu uns in Beziehung zu kommen. Dafür danken wir Dir.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
