Er hat eine Grube gegraben und ausgehöhlt – und ist in die Grube gefallen, die er gemacht hat. Seine Untat wird auf sein eigenes Haupt kommen, seine Gewalttat auf seinen Scheitel fallen. (Psalm 7, 16-17)
Dies ist eine der biblischen Formulierungen, die sprichwörtlich geworden sind. Ich kenne die Form «Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.» Ob sich das Sprichwort nie wörtlich an den Bibeltext gehalten hat, oder ob die neueren Übersetzungen sich von der Form entfernt haben, die als Sprichwort selbständig geworden ist, weiss ich nicht. Und es ist auch nicht die einzige Stelle, die diesen Gedanken in diesem anschaulichen Bild ausdrückt: Wer anderen eine Falle stellt oder ihnen auf sonstwie Unrecht tut, wird durch seine eigene Bosheit gestraft werden.
Wenn Gerechtigkeit sich auch in der Realität immer so einfach einstellen würde!
Ewiger Gott,
Unrecht nagt an uns, besonders dann, wenn es unsere Existenz bedroht, wie eine ungerechte Verurteilung vor Gericht. Aber auch dann, wenn es um Kleinigkeiten geht, hadern wir damit.
Hilf uns zu unterscheiden, wo es um wichtige Fragen geht, wo es sich lohnt, sich für sich selbst und für andere einzusetzen, und wo die Folgen so klein sind, dass es klüger sein kann, fünf gerade sein zu lassen.
Brigitta Josef, Pfarrerin
