Als er (Jesus) das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch ging und in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen. (Apostelgeschichte 1, 9-11)
Die Jünger starren zum Himmel, dorthin, wo Jesus verschwunden ist. Verständlich, denn was da beschrieben wird, ist ein ausserordentliches Ereignis.
Wenn man die Worte aber nicht wörtlich nimmt, sondern eher gleichnis- oder bildhaft versteht, so ist es etwas, was zum Leben gehört. Ein lieber Mensch «verlässt» uns, stirbt also und ist «im Himmel». Auch da ist es normal und verständlich, dass man ihm so lange wie möglich nachschaut, keinen dieser letzten gemeinsamen Momente verpassen möchte.
Und auch hier – nicht am ersten Tag wie in der Geschichte von Jesu Himmelfahrt, aber dann doch einmal – ist es auch Zeit, den Blick wieder vom «Himmel» zu lösen und auf die Erde zu richten. Das heisst nicht, dass man ihn nicht immer wieder zurück, auf die gemeinsame Zeit und auch auf die Trauer richten darf. Schliesslich hat der Verfasser der Apostelgeschichte das auch gemacht. Im Lukasevangelium, dem erstem Band seines Werks, hat der Erinnerung breiten Raum gegeben und das Leben Jesu beschrieben. Aber im Wort der Engel an die Jünger ermutigt er diese, nicht nur zurückzuschauen, sondern auch die Zeit, die sie hier auf der Erde haben, anzunehmen und zu füllen.
Barmherziger Gott,
manchmal schmerzt ein Verlust so, dass wir nur noch zurückschauen wollen, wie die Jünger als Jesus sie verlässt. Lass uns wie sie spüren, wann es Zeit ist, wieder um uns zu blicken, darauf zu achten, was uns hier erwartet, ohne die verlorene Person deswegen zu vergessen. Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
