So ist es kein Wille vor eurem himmlischen Vater, dass eines dieser Kleinen verloren gehe. (Matthäus 18,14)
Jesus erzählt die schöne Geschichte vom Menschen, der hundert Schafe hatte. Eines davon verirrte sich, wurde gesucht und gefunden, und es ist klar: der Mensch hat an diesem Schaf mehr Freude als am ganzen Rest der Herde.
Dieser Mensch ist mir nahe und fast ebenso lieb wie das verirrte Schäfchen. Dieses steht für die «Kleinen», wie Jesus sie nennt. Damit meint er die, die immer ein bisschen verloren wirken, die nichts so recht checken, die sich ihren eigenen Himmel suchen und sich allzu oft darin verlaufen, die zu langsam sind, um die Hänseleien der restlichen Herde zu verstehen und die einen mit grossen Augen anschauen, wenn sie im Unterricht oder im Gefängnis oder in der Kirche oder in der GOPS vor einem sitzen und doch nicht ganz da sind.
Sie berühren mein Herz und sie öffnen meine Welt, und ich kann die Freude des Menschen im Gleichnis verstehen, und auch die Mühe, die er auf sich nimmt, um so ein schutzloses Wesen wieder bei sich zu haben. Er ist das Gegenbild zu den lauten, rechthaberischen, grossspurigen, selbstgefälligen und sich der Menge anbiedernden «Hirten», deren Prototyp bis vor kurzem noch Präsident einer grossen Nation war und es – Gott behüte! – gerne wieder wäre.
Nein, «Kleine» sollen nicht verloren gehen.
Aber wenn es sie und ihre Fremdheit in der Welt nicht mehr gäbe, wo sollte ich dann Gott suchen?
Zu Betlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren:
Gelobet muss es sein.
(Kirchengesangbuch Nr. 360)
Hansueli Hauenstein
