Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. (Lukas 3, 15-16)
Neulich habe ich an einem Bibliolog (eine bestimmte Art Bibelarbeit) teilgenommen. Es ging um Johannes den Täufer. Wir hatten zuerst den Auftrag, uns in jemand von den Menschen, die zu ihm kamen, einzufühlen. Dann las die Leiterin den Satz «Es kommt aber einer, der stärker ist als ich.» vor. Ich war innerlich noch ganz eine normale Frau, die neugierig zu Johannes in die Wüste gekommen und tief von ihm beeindruckt war. Ich dachte: «Was? Jemand, der noch stärker ist?»
Dann kam aber die Aufgabe, zu überlegen, was denn in Johannes vorging, als er das sagte. Ich selbst war noch ganz in der Sicht von aussen auf Johannes. Aber andere Teilnehmende sagten, er sei erleichtert, dass er eben nicht der Messias ist, diese riesige Aufgabe nicht die seine ist, sondern er nur mitwirken, vorbereiten soll.
Mir scheint, dass diese beiden Blickwinkel sich gut ergänzen. Johannes der Täufer ist wichtig, er weist auf Jesus Christus hin. Aber er ist doch nur der Vorläufer, nicht der Messias selbst. Und das gleiche kann man von allen Christinnen und Christen sagen.
Grosser Gott,
hilf uns, unseren Platz zu finden, nicht zu gross, aber auch nicht zu klein von uns zu denken.
Amen
