Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, an die Heiligen in Ephesus, die Gläubigen in Jesus Christus. (Epheserbrief 1,1)
Heute feiert die katholische Welt das Fest Allerheiligen. Die Verehrung von Heiligen ist etwas, was Reformiert und Katholisch bis heute unterscheidet und was bei vielen Reformierten entweder ein leicht herablassendes Lächeln oder akute Abwehrreflexe auslöst.
Der Völkerapostel Paulus schreibt an die Heiligen in der Stadt Ephesus. Damit sind alle Christen in dieser Stadt gemeint. «Heiliger» und «Christ» war in biblischen Zeiten deckungsgleich. Erst später begann man gewisse Christinnen und Christen nach ihrem Tod auf besondere Weise zu verehren. Dies waren in den Anfängen meist Märtyrer, die für ihren Glauben gestorben waren, später auch sonst durch ihren Lebenswandel vorbildliche Christinnen und Christen. Ein formalisiertes Heiligsprechungsverfahren durch die Kurie in Rom gab es lange nicht. Bis weit in die Neuzeit hinein galt als heilig, wer vom Volk als heilig verehrt wurde. So wurde zum Beispiel Niklaus von Flüh erst 1947 offiziell heiliggesprochen, obwohl er schon seit Jahrhunderten im Volk verehrt wurde.
Man muss als Reformierter nicht beginnen, Heilige zu verehren, aber ein Bewusstsein dafür, dass es in der Vergangenheit Christinnen und Christen gab, die uns auch heute noch als Vorbilder dienen können, schadet trotzdem nicht.
Ewiger Gott
Mach mich zum Werkzeug deines Friedens.
Amen
(RG 800)
Michael Rahn, Pfarrer
