Da sagte Abraham zu Isaak: «Gott wird sich das Schaf zum Brandopfer ausersehen, mein Sohn.» (Genesis 22,8)
Kürzlich hat mich ein Kollege auf die Inschrift aufmerksam gemacht, die rund um den Rand unseres Fünflibers eingeprägt ist: DOMINUS PROVIDEBIT. Der Satz bedeutet wörtlich: Gott wird vorher- oder voraus- oder ausersehen oder, im übertragenen Sinn, er wird vorsorgen.
Das ist an sich ein schöner und tröstlicher Gedanke. Wer würde nicht gerne auf einen Gott vertrauen, der sich um einen kümmert und der Vorsorge trifft für die Unwägbarkeiten des Lebens?
Wieso aber, frage ich mich, steht dieser Satz ausgerechnet auf einem Geldstück? Steckt dahinter eine geschickte Missionsstrategie, die sich zu Nutze macht, dass Münzen ein Werbeträger par excellence sind: schnellläufig, weit verbreitet und gleichgültig gegenüber den meisten sozialen und kulturellen Verschiedenheiten?
Oder ist mit dem DOMINUS, der da vorsorgt, etwa gar nicht so sehr der Gott der Bibel gemeint, sondern der des allmächtigen, allwissenden und allgegenwärtigen Marktes, der alles so herrlich regieret?
Der biblische Bezug ist ja eher befremdlich. Der Fünflibertext begegnet wörtlich in der Geschichte von Abraham, der meint, seinen Sohn opfern zu müssen. Auf die Frage Isaaks, wo das Schaf bleibe, das auf dem schon errichteten Altar dargebracht werden soll, sagt Abraham: Dominus providebit – Gott wird es sich ausersehen. Ich bin mir nicht sicher, ob das für Isaak wirklich ein Trost war.
Der dich erhält,
wie es dir selber gefällt.
Hast du nicht dieses verspüret?
(Kirchengesangbuch Nr. 242)
Hansueli Hauenstein
