Ich erwache: noch bin ich bei dir. (Psalm 139,18)
Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen ist die, wie ich im dunklen Zimmer in meinem Bett liege und den Stimmen lausche, die aus dem Nebenraum zu mir hin schweben. Dort sitzen Erwachsene am Tisch und unterhalten sich. Sie besprechen Dinge, die ich weder verstehe noch verstehen will. Aber das Gemurmel erreicht mich und hüllt mich ein, so wie das Menschengespräch das Leben aller Kinder schon vor ihrer Geburt und lange danach erreicht und birgt und sie aufgehoben sein lässt in sich.
Manchmal bin ich dann weggedämmert unter dem Klang der Worte, eingekehrt in meine eigenste Welt, bis ein Lachen oder ein Ausruf mich wieder zurückholte in den Raum der gesprochenen, einnehmenden Sprache, diesem melodiehaften Raunen menschlichen Lebens.
In einem Gedicht von Marie-Luise Kaschnitz über die Auferstehung finde ich Worte, die mir heute zuschweben und die mich trösten:
So lagen wir lasest du vor
Schlief ich ein
Wachte auf
Schlief ein
Wache auf
Deine Stimme empfängt mich
Entlässt mich und immer
So fort
