Das Ohr, das hört, und das Auge, das sieht, der Herr hat sie beide geschaffen. (Sprüche 20, 12)
Auf den ersten Blick wirkt dieser Vers einleuchtend. Aber auf den zweiten stelle ich mir die Frage, was er genau sagen will. Der Zusammenhang gibt hier keinen Hinweis. Die Sprichwörter davor und danach handeln von anderen Themen.
Dass Gott auch Augen und Ohren geschaffen hat, liegt im Rahmen der Schöpfungsvorstellungen der Bibel. Oder soll die Präzisierung «das Ohr, das hört» und «das Auge, das sieht» uns auf etwas hinweisen? Es ist ja nicht selbstverständlich, dass das so ist, auf der körperlichen Ebene, aber auch auf der übertragenen. Scharfe Augen und ein gutes Gehör, können ein Grund zur Dankbarkeit sein, auch Gott gegenüber.
Oder geht es vor allem darum, ob man überhaupt hören und sehen will? Ist es eine Aufforderung, diese von Gott gegebenen Möglichkeiten auch zu nutzen? Soll der Spruch uns also ermutigen, auf einander, aber auch auf Gott zu hören, und aufmerksam durchs Leben zu gehen, auch wenn das, was wir sehen, uns herausfordert?
Barmherziger Gott,
wir wünschen und Menschen, die uns wirklich sehen und uns zuhören.
Aber auch wir können zuhören und andere wohlwollend ansehen.
Lass beides immer wieder und immer mehr geschehen.
Amen
