Kenntnis, zu wunderbar für mich, zu hoch.
Ich werde ihrer nicht mächtig. (Psalm 139,6)
M. sucht ein Zeichen für das, was «Glaube» für sie bedeutet. M. ist ein stiller Mensch, präsent und zurückhaltend. Sie denkt über sich hinaus, bis zu den Sternen. Dort, in den Abermilliarden von Sonnen, findet sie den Ansatz eines Bildes: die Milchstrasse.
Galaxien gibt es, denkt sie. Wir sind ein Teil davon. Aber wir haben kein Bild davon, nur Ausschnitte, nur zeichenhafte Darstellungen.
Dann malt M. doch ein Bild, sorgfältig hingetupft, mit leuchtenden Himmelskörpern:

«Gott» ist darin nicht zu finden. Er ist unfassbar hinter allen Zeichen (und ist deshalb auch kein «er»).
M. heisst Michèle und ist fünfzehn Jahre alt. Sie wurde gestern konfirmiert.
Mein Gott, wie bist du so verborgen,
wie ist dein Rat so wunderbar.
(Kirchengesangbuch Nr. 715)
Hansueli Hauenstein
