Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied. (Johannes 19,30)
Aber Jesus schrie laut und verschied. (Markus 15, 37)
So verschieden beschreiben die Evangelisten Johannes und Markus den Moment, in dem Jesus stirbt. Einmal gefasst und ruhig, da er weiss, dass sich alles so ereignen muss, und dass er dies für das Heil der Menschen auf sich nimmt. Und einmal mit einem lauten Schrei.
Heute ist es für viele Menschen schwierig zu denken, dass der Tod Jesu gut oder sogar notwendig war. Eine Deutung als Justizmord oder als Beispiel, wie ungerecht es in der Welt zugeht, liegt ihnen näher. Hoffnungsvoll oder vorbildlich kann dann an diesem Tod noch sein, dass Jesus bis ans Ende an der Botschaft von der Liebe Gottes festgehalten hat, und dass er gewaltlos geblieben ist, und vielleicht noch die Auferstehung.
Aber wie ist das mit Leiden von ganz «gewöhnlichen» Menschen? Haben diese einen Sinn? Und wenn ja, wie kann man davon reden?
Ein Problem ist, dass Reden von aussen, über den Sinn von Leiden schnell herzlos wird. Wenn das Leiden einen Sinn hat, liegt der Gedanke nahe, dass ja alles nur halb so schlimm ist.
Anders ist es, wenn Leidende selber, während oder nach einer schlimmen Zeit, sagen, dass sie zum Beispiel reifer geworden sind, oder besser sehen, was wirklich wichtig im Leben ist. Solche eigene Einschätzungen helfen, das Schwere auszuhalten. Und vielleicht hilft es da doch, wenn man in besseren Zeiten einmal über das Leiden nachgedacht und verschiedene Deutungen gehört hat.
Ewiger Gott,
es gibt so viel sinnloses Leiden in der Welt. Weil Du dies in Jesus geteilt hast, sind wir damit nicht mehr allein. Hilf uns, auch im Leiden die Hoffnung zu behalten, und sei sie nur ein ganz kleiner Funke. Und schenke allen Leidenden immer wieder Zeichen Deiner Liebe.
Amen
