Gut ist es,
am Morgen deine Güte zu berichten,
und in den Nächten deine Treue.
(Psalm 92,2-3)
Einmal mehr lese und erinnere ich das Gedicht des grossen Hölderlin:
In jüngern Tagen war ich des Morgens froh,
Des Abends weint ich; jetzt, da ich älter bin,
Beginn ich zweifelnd meinen Tag, doch
Heilig und heiter ist mir sein Ende.
Es trägt den Titel «Ehmals und jetzt» und bettet eine Lebensspanne ein in den Lauf eines Tages – oder umgekehrt.
Daneben stelle ich ein Jahrhunderte älteres Lied aus der Bibel und frage mich, in welchem Lebensalter es wohl entstanden sein mag?
Wäre es ein junger Mensch, der hier zu Wort kommt, so träfe sich die göttliche Treue mit dem abendlichen Weinen. Ein älterer Mensch hingegen hätte im morgendlichen Zweifel ein Zeichen göttlicher Gnade gefunden.
So würde ich gerne einschlafen und erwachen.
Der Abend wird verstehen,
wie du die Welt gedacht.
Und singend werd ich sehen
dein Licht in meiner Nacht.
(Kirchengesangbuch Nr. 50)
Hansueli Hauenstein
