Wer sich des Armen erbarmt, der leiht dem Herrn, und der wird ihm vergelten, was er Gutes getan hat. (Sprüche 19,17)
Seit etwa einer Woche hängt – wenn es der Wind zulässt – vor der Kirche das neue Plakat von «Brot für alle». Es zeigt zwei Bilder und fragt, für welche Welt wir verantwortlich sein wollen.
An vielen Stellen der Bibel geht es auch um den Unterschied zwischen Reichen und Armen und darum, was das für das Handeln derer, die mehr haben, bedeutet. Hier im Buch der Sprüche wird das, wie das bei Sprichwörtern üblich ist, kurz und direkt ausgedrückt. Die Argumentation ist einfach und optimistisch: wer anderen hilft, der oder die wird von Gott belohnt.
Beim genaueren Lesen, fand ich aber ein widerständiges Detail: die Vorstellung, dem Herrn, also Gott, etwas zu leihen, verwirrt mich. Stammt nicht alles von Gott? Wie sollen wir ihm oder ihr da leihen? Und das würde ja auch bedeuten, dass wir das Recht haben, es zurückzubekommen.
Mein Bibelprogramm auf dem Computer sagt, dass es ein ähnliches hebräisches Wort gibt, das «sich anschliessen» heisst. Dass man sich Gott anschliesst, wenn man den Armen gibt, das ist einfacher zu verstehen. Aber dennoch: in allen Übersetzungen, die ich angeschaut habe, steht «leihen».
Und wie auch immer dieses einzelne Wort zu verstehen ist: die Grundaussage ist klar: alle sollen das Lebensnotwenige haben.
Guter Gott,
immer wieder fragen wir uns, was einzelne Stellen in der Bibel bedeuten sollen.
Lass uns bei diesem Nachsinnen nicht vergessen, dass die Grundrichtung klar ist:
«Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken, und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.” (Lukas 10, 27)
