[Gott spricht:] Ich rief meinen Sohn aus Ägypten. (Hosea 11,1b)
Die Urgeschichte des Volkes Israel ist bemerkenswert international. Der Stammvater Abraham stammt aus dem Zweistromland (dem heutigen Irak). Später wandert sein Enkel nach Ägypten aus und von da kommt das Volk Israel ins Land Palästina. Diese Erinnerungen scheinen in der Bibel immer wieder mal auf. Und sie stehen in einer deutlichen Spannung zur religiösen Abgrenzung in gewissen Schichten des Alten Testamentes: Nur unser Nationalgott ist richtig!
Der Evangelist Matthäus sah im obigen Satz einen vorzeitigen Hinweis auf die Flucht von Josef und seiner Familie vor dem König Herodes nach Ägypten. Und auch wenn Jesus ausser diesem frühkindlichen Abstecher seine engere Heimat vermutlich nie verlassen hat, wurde das Christentum schon kurz nach seinem Tod äusserst international. Doch auch das Christentum ist leider immer wieder in die Falle der religiösen (und zum Teil auch nationalen) Abgrenzung getappt.
Schade, haben die Grenzen überwindenden Schichten der Bibel im Laufe der Geschichte kein grösseres Gewicht erhalten. Sie hätten es verdient.
Ewiger Gott
Hilf du uns, Grenzen zu überwinden.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
