Fortan, alle Tage der Erde, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (Genesis 8,22)
Die sogenannten Festtage liegen hinter uns, und ich bin froh um die neue Normalität. Vielleicht ist das Besondere an der Zeit vor dem Jahreswechsel ja weniger die Besinnlichkeit, das Feiern und die sozialen Merkwürdigkeiten, sondern der Unterbruch eines geregelten Zeitmasses, das damit aus den Fugen gerät.
Nicht nur meine Beiträge zum Tag sind damit ins Holpern gekommen, sondern auch die Tagesabläufe, die Schlaf- und Essenszeiten, der Wechsel von Arbeit und Erholung, der Rhythmus, der wie mein Herzschlag das Leben im Fluss hält.
Das aus dem Griechischen stammende Wort «Rhythmus» – seltsamerweise ein ziemlicher Stolperstein, was die Rechtschreibung betrifft – bedeutet so etwas wie ein geordnetes Dahinfliessen, ein Gleichmass, das Bewegung und Ruhe im Gleichgewicht hält.
In der Bibel kommt das Wort nicht vor, die Vorstellung eines regel- und gleichmässigen Flusses der Zeiten, in den unser Tun und Lassen eingebettet sind, aber schon, nämlich am Ende der Geschichte von der grossen Flut. Nach dem, was alles überschwemmt und durcheinandergewirbelt hat, ist das ein wahrer Segen.
O treuer Hüter, Brunnen aller Güter,
ach lass doch ferner über unser Leben
bei Tag und Nacht dein Huld und Güte schweben.
(Kirchengesangbuch Nr. 570)
Hansueli Hauenstein
