Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank empfangen wird. (1. Timotheus 4,4)
Der Vers ist hier aus dem Zusammenhang gerissen und darum missverständlich. Auch ich habe ihn erst auf alles bezogen, was einem im Leben begegnen kann. Ursprünglich bezieht er sich aufs Essen von bestimmten Speisen (und aufs Heiraten). Da Gott alle Speisen geschaffen hat, sind sie gut. Und wer etwas davon verbietet, wird ein paar Zeilen früher übel beschimpft.
Aber das Missverständnis, dass alles, wirklich alles, was Gott geschaffen hat, gut ist, regt zum Denken an. Was halte ich von dieser Aussage? Es gibt Menschen, die dadurch beeindrucken, dass sie trotz Schicksalsschlägen zufrieden und dankbar sind. Aber genügt es immer, alles dankbar und im Gebet zu empfangen, damit es gut oder für mein Leben fruchtbar wird? Gibt es nicht doch Ereignisse, die einfach schlecht sind? Und wie gehe ich mit diesen um?
Ewiger Gott,
oft wissen wir nicht, wie sich etwas entwickeln wird.
Was heute schwierig ist, kann sich im Nachhinein als richtige Entscheidung oder Chance erweisen.
Und umgekehrt kann etwas, was uns jetzt freut, ganz unerwartet schlimm weitergehen.
Hilf uns bei der Entscheidung, was wir annehmen, und wo wir uns wehren oder für Änderungen einsetzen, und führe alles zu einem guten Ende.
Brigitta Josef, Pfarrerin
