Klagt und jammert nicht übereinander, Geschwister, damit Gott euch nicht verurteilen muss. (Jakobusbrief 5, 9)
Inhaltlich ähnlich, aber viel bildhafter schreibt das Lukasevangelium (und fast wörtlich gleich Matthäus): «Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht?» (Lukas 6, 41; Matthäus 7,3)
Ja, es ist einfacher, die Schwächen von anderen zu sehen als die eigenen. Und manchmal tut es irgendwie auch gut, darüber zu jammern, besonders wenn man auf irgendeine Art unter diesen Schwächen hat leiden müssen.
Aber geschieht dies nicht auch häufig, weil man die eigenen Schwächen trotz allem ahnt, weil man grösser scheint, wenn man die anderen klein macht? Oder weil man den Eindruck hat, auf irgendeine Art zu kurz zu kommen?
Aber, wenn wir unseren Glauben zu Ende denken, haben wir das nötig? Wenn Gott sich als kleines Kind zeigt, und zugleich uns als seine Kinder annimmt? Sind wir dann nicht alle wertvoll, mit unseren Macken und Schwächen? Wird das Gerangel, ein wenig besser dazustehen als die neben uns, dann nicht überflüssig?
So etwas zu wissen oder im Verstand zusammenzusetzen ist das eine. Es spüren und im Alltag leben das andere. Wir alle können dazu beitragen, dass Menschen sich angenommen fühlen, und es dann – vielleicht – ein bisschen weniger nötig haben, mit dem Finger auf andere zu zeigen.
Barmherziger Gott,
bald feiern wir die Geburt von Jesus, in dem Du Dich ganz klein zeigst.
Lass uns daraus den Mut schöpfen, uns nicht auf Kosten von anderen gross zu machen.
Du bist unser Vater, wir Deine Kinder. Das macht uns wichtig genug.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
