Du hüllst dich in Licht, Gott, wie in ein Kleid. (Psalm 104,2)
Nach dem Ende des Sommers und dem ersten, lang erwarteten Regen ist das Licht zurück. Sanfter und klarer ist es geworden, gedämpft vom feinen herbstlichen Dunst. Es muss nicht mehr blenden, nicht mehr strahlen, nur noch wärmen. Jeder Triumph ist ihm fremd. Seine stille Gegenwart hat etwas Versöhnliches. Sie lässt Hitze und Hektik hinter sich, löst sich vom sommerlichen Getöse und befreit den Blick für das, was ist und vergeht.
Vom Licht der aufgehenden Sonne schreibt der Philosoph Adorno, es zeige sich «schwach und zaghaft wie die Hoffnung, es könne einmal noch gut werden, und gerade in solcher Unscheinbarkeit des mächtigsten Lichtes liegt das rührend Überwältigende».
So empfinde ich das Licht im Oktober, und wer weiss, vielleicht hatte der Mensch, der das Bild vom lichten göttlichen Kleid dichtete, ähnliches im Sinn: kein auftrumpfendes Blendwerk, sondern die sanfte Klarheit eines Herbsttags.
Lobt das Licht, in uns entfacht,
Licht aus Licht in unsrer Nacht.
(Kirchengesangbuch Nr. 430)
Hansueli Hauenstein
