Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. (Matthäus 2, 14)
Am letzten Wochenende war ich in den Niederlanden und die Rückreise am Montag fiel auf den Tag der Deutschen Einheit. Durch das verlängerte Wochenende waren viele Menschen unterwegs, es gab Verspätungen und Gleiswechsel, Züge kehrten früher um, um Verspätungen aufzuholen, und wir mussten an anderen Orten umsteigen als vorgesehen. Ich war unruhig und verunsichert, wollte nicht aus Versehen in den falschen Zug einsteigen oder am falschen Ort aussteigen und dann den nächsten Anschluss verpassen.
Und während am Bahnhof eine Durchsage der anderen folgte, dachte ich plötzlich ich an all die Menschen, die nicht freiwillig unterwegs sind. An die Menschen, die auf der Flucht sind, mit vielleicht nicht viel mehr Gepäck als wir für die fünf Tage, die aber nicht wissen, wohin sie fahren und wie es den Menschen geht, die sie zurückgelassen und schon eine Weile nicht mehr gesehen haben.
Ewiger Gott,
wir sorgen uns um vieles, das im Grunde doch nur kleine Unannehmlichkeiten sind.
Lass uns die Menschen nicht vergessen, die vor wirklich grossen Problemen stehen.
Und bleib Du bei ihnen, stärke sie und schenke der Welt Frieden.
Amen
Brigitta Josef, Pfarrerin
