Das geknickte Rohr zerbricht er nicht, und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht. (Jesaja, 42,3)
Den Auftritt eines grossen Helden und Heilsbringers stellt man sich anders vor als im obigen Vers. Martialische Posen, Waffen, erhobene Fäuste oder erniedrigte Gegner passen da scheinbar besser. Der Profet Jesaja war da anderer Meinung. Mit diesem Vers stellt er einen «Knecht» Gottes vor, der einen grundsätzlichen Wechsel herbeiführen soll auf der Welt. Das Matthäus-Evangelium überträgt diese Weissagung auf Jesus.
Spannend scheint mir was hier implizit als Wille Gottes dargestellt wird. Hier ist jemand einfühlend und sorgfältig. Hier lässt jemand den Versehrten ihren Raum ohne gleich das Blaue vom Himmel zu versprechen, ohne zu beschönigen oder zu dramatisieren. Hier verhilft jemand den angemessenen Ansprüchen dieser Menschen zum Durchbruch gegen alle Korruption und allen Widerstand.
Herr, erbarme dich!
(Gebetsruf aus der Liturgie)
Michael Rahn, Pfarrer
