Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar. (Psalm 23, 6)
Als ich damals im Wintersemester 1982/83 an der Uni Münster jeden Morgen ins Schloss pilgerte, um am Hebräischunterricht teilzunehmen, da waren all die Vokabeln dieser semitischen Sprache, die so gar nicht mit den indoeuropäischen Sprachen verwandt ist, eine echte Herausforderung für mich. Schon in der 7. Lektion des Hebräisch-Lehrbuchs kam das Verb RaDaF vor, das «verfolgen, hinterherjagen» bedeutet.
Sozusagen für jedes Wort braucht es eine Eselsbrücke, um es sich merken zu können. Und so tauchte vor meinem inneren Auge eine beduinische Reitergruppe auf, die über den Wüstensand galoppierte, mit dem Klang der Hufe: radaf, radaf, radaf, … . Der Trick hat funktioniert.
Dieses RaDaF nun steht an der Stelle im Psalm 23: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang… Da ist die Wiedergabe einfach nur mit «folgen» fast wie abgeschwächt. Vielmehr darf man sich eine Verfolgung vorstellen: ich gehe meinen Lebensweg, und an jedem Tag meines Lebens (so heisst es im Original) verfolgen mich das Gute und die Barmherzigkeit – im Original: Gnade und im Englischen wiedergegeben mit «loving kindness» – liebender Freundlichkeit.
Auf diese Weise ist Gott also hinter mir her – an jedem Tag, der so gelingt.
Bettina Lukoschus, Pfarrerin
