Gott wird Recht schaffen zwischen den Nationen
Und viele Völker zurechtweisen.
Dann werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden
und ihre Lanzen zu Winzermessern
Sie erheben nicht mehr das Schwert, Nation gegen Nation,
und sie erlernen nicht mehr den Krieg.
(Jesaja 2,4)
Schwerter zu Pflugscharen! Dieser Satz der Friedensbewegung war für mich wichtig, damals als Jugendlicher in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Er wandte sich unter anderem gegen das atomare Wettrüsten von Ost und West.
Wenn man diesen Satz in dieser Form heute Menschen aus der Ukraine an den Kopf wirft, ist er nur noch zynisch. Wer wollte ihnen denn verbieten ihre Lieben, ihr Eigentum, ihre Freiheit und ihre Heimat zu verteidigen, auch mit Waffengewalt?
Im Gegensatz zum Slogan der Friedensbewegung stellt das Original aus der Bibel keine Forderung auf. Es schaut in die Zukunft und erwartet diese Zukunft aus Gottes Hand. Das kann man natürlich als bequeme Entschuldigung missbrauchen, damit man ja keine eigenen Anstrengungen unternehmen muss. Vielleicht ist es aber auch einfach realistisch.
Der Krieg in der Ukraine hat – wohl nicht nur bei mir – manche liebgewordenen Denkmuster zertrümmert. An meinem Vertrauen auf den friedenstiftenden Gott will ich trotzdem festhalten.
Barmherziger Gott
Sei allen nahe, die unter Krieg und Gewalt leiden.
Schenke du deinen Frieden.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
