Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten ihn; und er wurde ihnen unsichtbar. (Lukas 24,31)
Lukas, der uns hier vom Erscheinen und Verschwinden des Auferstandenen berichtet, liebt die literarische Komposition. Wie er den sich öffnenden Blick der Jünger, ihr Erkennen und das Verschwinden des Erkannten in einem einzigen Satz zusammenfügt, ist meisterhaft. In einem flüchtigen Augenblick zeigt und entzieht sich das Wunder der Begegnung – so wie es immer geschieht, wenn Menschen sich offenbaren, seien es Lebende oder Verstorbene.
Gegenwärtig ist im Aargauer Kunsthaus in Aarau eine Ausstellung mit dem Titel «Davor – Darin – Danach» zu sehen. Gezeigt werden Kunstwerke aus der Sammlung, und zwar nicht in chronologischer Reihenfolge, wie die Ausschreibung vielleicht vermuten lässt. Vielmehr durchzieht die ausgestellten Werke der rote Faden der Vergänglichkeit, des Flüchtigen, Einzelnen, auch Verlorenen.
Eine der Installationen besteht darin, dass der Künstler (Urs Fischer), aus einer der Museumswände ein wolkenförmiges Loch ausgeschnitten hat. Dort, wo wir ein Bild vermuten und vielleicht sehen möchten, ist ein Durch- und Ausblick entstanden, eine Leere. Das ausgeschnittene Stück steht angelehnt an einer Seitenwand als ein Rest, ein Relikt, ein Bild, das sich anzuschauen nicht mehr lohnt.
Ich weiss nicht, ob Urs Fischer Lukas gelesen hat. Aber verstanden hat er ihn.
Mach mich reinen Herzens,
dass ich deine Klarheit
schauen mag in Geist und Wahrheit.
(Kirchengesangbuch Nr. 162)
Hansueli Hauenstein
