Gott wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füsse treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. (Micha 7,19)
Von Schuld hört und liest niemand gerne, von Sünden schon gar nicht. Beides erinnert mich daran, dass ich nicht vollkommen bin. In Zeiten, wo Selbstoptimierung und eine möglichst gute Aussenwirkung gross geschrieben sind, ist das unangenehm, störend, ja schon fast beleidigend.
Doch dieser Wahn nach Vollkommenheit kann sehr belastend werden. Wie entlastend ist es da, wenn ich gar nicht vollkommen sein muss, weil Gott mein Unvermögen an der tiefsten Stelle des Meeres versenkt. Mein Unvermögen und meine Schuld verlieren die Macht über mich, die sie, solange ich nach Vollkommenheit strebe, auf subtile aber mächtige Art ausüben.
Ich bin frei, nicht von Schuld, nicht von Fehlern, aber von einem Kampf, den ich nur verlieren kann; vom Kampf gegen mich selber.
Ewiger Gott
Du nimmst mich an, so wie ich bin.
Dafür danke ich dir.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
