Das Herz des Menschen erdenkt seinen Weg,
aber der Ewige lenkt seine Schritte. (Sprüche 16,9)
Das Herz ist in der Bibel der Ort, wo gedacht, geplant und erwogen wird. Nicht um grosse Gefühle oder Empfindungen also geht es, sondern um das, was wir heute vielleicht als Vernunft bezeichnen würden.
Darauf und auf den irgendwie damit verknüpften sogenannten gesunden Menschenverstand bilden wir uns in der Regel sehr viel ein. Die Idee, dass wir unser Leben auf vernünftige Weise selber bestimmen und dass andere das auch tun, ist fest in unserem Selbstverständnis verankert.
Das biblische Sprichwort hat da gewisse Zweifel: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Das reimt sich schön und eignet sich gut für schadenfreudige Kommentare, wenn andere an allzu steil ausgeheckten Plänen scheitern.
Dass ich selber ziemlich radikal allen möglichen inneren und äusseren Einflüssen unterliege; dass mein Denken, Empfinden und Handeln alles andere als selbstbestimmt ist; dass – wie Sigmund Freud es formuliert hat – mein Ich nicht Herr im eigenen Haus ist: alles das möchte ich weniger gern wissen.
Die Frage ist wohl, ob ich der Instanz vertraue, die so entscheidend meine Schritte lenkt.
Unsre Sinne und Begier
lenke sanft dein Wille.
Deines Wortes heller Schein
strahl in unser Herz hinein,
uns mit Licht erfülle.
(Kirchengesangbuch Nr. 165)
Hansueli Hauenstein
