Jesus sagte noch einmal zu ihnen: «Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.» Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: «Empfangt den Heiligen Geist!» (Johannes 20,21-22)
Das Wort «anhauchen» hat in der deutschen Umgangssprache den Sinn von «jemanden heftig anfahren, zurechtweisen», steht also in der Nähe des «Anfauchens», das uns vielleicht besser vertraut ist. So oder so ist die Vorstellung, dass mir jemand seinen Atem ins Gesicht bläst, nicht gerade verlockend, sondern weckt Trotz und Widerstand.
Johannes, der uns die Geschichte vom auferstandenen Jesus erzählt, muss beim Hauch an den göttlichen Atem gedacht haben, der in der Schöpfungserzählung das erste Menschenwesen belebt. Aus Material wird menschliches Dasein. Dazu gehört, wie uns gerade diese Geschichte lehrt, auch das Widerständige, das gegen die Zumutung des Angehauchtwerdens rebelliert und schliesslich zum Aufbruch aus dem paradiesischen Reduit führt.
Was bleibt, wenn Menschen etwas anhauchen – eine Brille zum Beispiel – ist ein feiner Niederschlag, eine Atemspur. Die verschüchterten Männer, die sich vorsorglich hinter verschlossenen Türen verschanzt haben, tragen nach ihrer Begegnung mit dem schon betrauerten Freund eine Spur seines Daseins an sich: einen Hauch von Leben.
Diesen Hauch tragen sie mit sich, wenn sie seinem Auftrag nachkommen und aus ihrer Niedergeschlagenheit aufbrechen.
Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben,
aller Dinge Grund und Leben.
(Kirchengesangbuch Nr. 162)
Hansueli Hauenstein, Pfarrer
