Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast. (Johannes 17,21)
Leider war dieser Satz aus einem langen, kunstvollen Gebet Jesu schon zur Zeit, als das Johannesevangelium geschrieben wurde, eher ein frommer Wunsch als Realität. Es gab schon nach wenigen Generationen verschiedenste Strömungen im Christentum, die sich nicht unbedingt gewogen waren.
Der Satz legt den Finger unerbittlich in eine Wunde, die in der Kirche seit 2000 Jahren offensteht. Wie sollen Christen glaubwürdig von Versöhnung sprechen, wenn sie sich selber unversöhnlich gegenüberstehen? Wie sollen Christen von Liebe reden, wenn sie sich untereinander hassen?
Zeigen wir nicht zu schnell nach Russland, auch wenn der russische Patriarch sich als schlechtes Beispiel gegenwärtig anbietet. Die Zeiten, in denen sich bei uns Reformierte und Katholiken unversöhnlich gegenüberstanden liegen noch nicht lange zurück. Und die theologischen Feindseligkeiten innerhalb unserer Reformierten Kirche zwischen «Liberalen» und «Evangelikalen» halten bis heute an. Es liegt auch an uns, etwas zu verändern.
Barmherziger Gott
Vergib,
wo wir rechthaberisch und unversöhnlich sind,
gerade auch in der Kirche.
Mache du uns bereit,
auf andere Menschen zuzugehen.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
