Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er oder sie eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korintherbrief 5,17)
Hermann Adam von Kamp (1796-1867) war ein deutscher Naturkundler und Lehrer. Über ein halbes Jahrhundert lang, nämlich von 1814 bis zu seinem Tod, unterrichtete er Kinder im westdeutschen Mülheim an der Ruhr. Daneben schrieb er Kinderbücher und verfasste Gedichte. Sein berühmtestes lyrisches Werk – und das einzige, das seinen Tod nachhaltig überdauert hat – trägt den Titel «Alles neu macht der Mai».
In dessen letzten Strophe beschreibt von Kamp die Erneuerung in der Natur als Widerschein der Schöpfung im Gemüt – ein romantisches Thema, das sich bis heute mit dem Schöpfungsglauben verbindet:
Hier und dort, fort und fort
wo wir ziehen Ort für Ort
Alles freut sich der Zeit
die verjüngt, erneut.
Widerschein der Schöpfung blüht
uns erneuernd im Gemüt
Alles neu, frisch und frei
Macht der holde Mai.
Diese fröhliche Naturbegeisterung zeigt sich auch in von Kamps Kinderbüchern. Darin verbinden sich fromme Demut und eine etwas spiessige Rechtschaffenheit zu einem Idyll, das von Blümchen und Vögelchen geziert wird. Dass die Stadt des Dichters schon zu seinen Lebzeiten die ersten Schritte zur Industrialisierung und zur Kohlenmetropole machte, bleibt aussen vor.
Oder ist die «neue Schöpfung» eben gerade nur so zu haben und zu verstehen: als Reaktion auf das Alte und Dunkle, das sie auch dann in sich trägt, wenn sie es verschweigt?
Hansueli Hauenstein
