Da ist nun nicht Grieche und Jude, nicht Beschneidung und Unbeschnittensein, nicht Barbar, Skythe, Sklave, Freier, sondern Christus ist alles und in allen. (Kolosser 3,11)
Kriege haben eine giftige Nebenwirkung: Sie schaffen oder vertiefen Gräben zwischen Menschengruppen. Hier Freund, da Feind. Hier die Guten, da die Bösen. Hier die Aggressoren, da die Opfer. Nun ist es sicher richtig und nötig, dass man den Aggressor klar benennt. Doch im aktuellen Beispiel sind dies Herr Putin und seine Entourage und nicht etwa «die Russen».
Dem Verfasser des Kolosserbriefs schwebt für die christliche Gemeinde etwas völlig anderes vor. Hier sollen all die Unterschiede und Vorurteile, die unser Zusammenleben prägen, nicht gelten. Weder religiöse noch geografische, noch soziale Unterschiede. Denn: «Christus ist alles und in allen». Oder nochmals anders formuliert: Gemeinsam schauen wir auf den einen Christus.
Dies ist ein hohes Ideal, an dem die Kirche immer wieder gescheitert ist und auch in Gegenwart und Zukunft immer wieder scheitern wird. Doch mit weniger dürfen wir uns nicht zufrieden geben, gerade in kriegerischen Zeiten.
Barmherziger Gott,
Du bist der Schöpfer aller Menschen.
Du hast allen Menschen in Jesus Christus deine Liebe gezeigt.
Hilf uns, mit deinen Augen auf diese Menschen zu schauen.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
