Als man dem König von Ägypten meldete, das Volk sei geflohen, änderten der Pharao und seine Diener ihre Meinung über das Volk und sagten: «Wie konnten wir nur Israel aus unserem Dienst entlassen!» Er liess seinen Streitwagen anspannen und nahm sein Kriegsvolk mit. (2. Buch Mose 14,5-6)
Eine der vielen Täuschungen, von denen wir uns auch durch besseres Wissen nicht abbringen lassen, ist die Vorstellung, Machtpolitik werde durch einzelne Personen gemacht. Gegenwärtig ist es der russische Machthaber Wladimir Putin, dem diese zweifelhafte Ehre zufällt.
Die Idee, dieser einzelne Mann bestimme über Krieg und Frieden, lenke Armeen und bestimme über das Schicksal ganzer Völker, hält sich hartnäckig und wird durch Porträtbilder in den Nachrichten nachhaltig zementiert. Sie zeigen ein maskenhaft wirkendes Gesicht, dem man eine derart unheimliche Macht offenbar zutraut.
Über Krieg und Frieden entscheiden aber nicht einzelne Männer. Die Bibel nennt in ihrem Bericht über einen der wichtigsten Machthaber ihrer eigenen Welt auch «Diener», «Kriegsvolk» und «Streitwagen», sprich Staatsbeamte, Berater, hohe Offiziere, Soldaten und militärische Logistik. Zu letzterer gehören eine Rüstungsindustrie und der Rüstungshandel, Marschmusik und pathetisch-chauvinistische Ansprachen. Zu den Personen im Umkreis zählen Ideologen aller Art, Manager, Kommunikationsfachleute, stolze Mütter und Freundinnen der kämpfenden Helden, nicht zu reden von stillen Mitläufern.
Krieg beginnt nicht auf dem Schlachtfeld und auch nicht mit der Herrschaft eines einzelnen Mannes, sondern im Denken und Handeln vieler, die diesem Mann sein Herrschen ermöglichen.
Glaubenshaltungen neigen dazu, auch das, was sie als göttliche Macht verstehen, zu personalisieren. Wie sinnvoll und wegleitend das ist, sei dahingestellt.
Gott liebt diese Welt.
In den Todesbanden
keine Macht ihn hält.
(Kirchengesangbuch Nr. 279)
Hansueli Hauenstein
