Du, Mauer der Tochter Zion,
lass deine Tränen fliessen wie einen Fluss bei Tag
und in der Nacht,
gönne dir keine Ruhe,
dein Augapfel stehe nicht still.
Auf, wimmere in der Nacht,
zu Beginn der Nachtwachen,
schütte dein Herz aus wie Wasser
vor dem Angesicht des Herrn.
Zu ihm erhebe deine Hände
um des Lebens deiner Jüngsten willen,
die vor Hunger verschmachten
an allen Strassenenden.
Schau, HERR, und sieh doch,
mit wem du so verfahren bist!
Sollen denn Frauen ihre Leibesfrucht essen,
die gesund geborenen Jüngsten?
Sollen denn Priester und Prophet umgebracht werden
im Heiligtum des Herrn?
Auf dem Boden, auf den Strassen liegen Junge und Alte,
meine jungen Frauen und Männer sind gefallen durch das Schwert!
Du hast sie umgebracht am Tag deiner Wut,
hast sie abgeschlachtet, ohne Mitleid!
Wie am Festtag hast du von ringsum herbeigerufen,
wovor mir graute,
und es gab keinen Geretteten und keinen Entkommenen
am Tag des Zorns des HERRN.
Die ich gesund geboren und grossgezogen habe,
ihnen hat mein Feind ein Ende bereitet!
(Klagelieder 2,18-22)
Das Königreich Juda ist von den Babyloniern militärisch 587 v. Chr. überrannt worden. Jerusalem wurde zerstört, der Tempel dem Erdboden gleichgemacht. Jahre, wenn nicht Jahrzehnte später, wurde dieses Grauen in Worte gefasst.
Hoffen und beten wir, dass der Ukraine das Schlimmste erspart bleibt!
Du, unser Gott
Hab Erbarmen mit den Menschen in der Ukraine.
Und wenn immer es möglich ist –
Schenke du Frieden.
Amen.
Michael Rahn, Pfarrer
