Mein Herz taumelt, Schauder ängstigt mich.
Die Dämmerung, nach der ich mich sehne,
hat Er mir in Beben verwandelt. (Jesaja 21,4)
Ein trüber Schleier breitet sich aus über Felder, Häuser und Bäume. Der dunkelnde Himmel legt einen fahlen Schatten auf die Farben der Landschaft und schluckt und schluckt Wiesen und Wälder. Konturen lösen sich auf, Bewegungen frieren ein und Grenzen verfliessen. Die letzten Schneeflecken verlieren ihr Weiss unter einem Firnis von schmutzigem Grau.
Im Winter wird die Dämmerung zum Vorzeichen einer lautlos vergehenden Welt. Das verblassende Licht will nichts mehr von mir, will nichts erhellen, nichts aufklären, nichts erleuchten, und blenden will es schon gar nicht. Es überlässt mich mir selbst, ein wenig verloren im versinkenden Tag, ein wenig haltlos in der verschwimmenden Welt, ein wenig wehmütig an der zwielichtigen Schwelle zur Nacht.
Mit Jesaja sehne ich mich manchmal nach diesem Verstummen des Tages und seinem Treiben, und ich liebe die Winterdämmerung. Aber dann vernehme ich darin auch das unheimliche Schweigen der Nacht und das Erzittern eines neuen Morgens, von dem niemand wüsste, was er bringt.
Beim Propheten sind es weltpolitische Ereignisse, die sich in der Dämmerung entschleiern und dort zu erbeben beginnen. Aber manchmal ist es auch nur die eigene Geschichte und das, was sie an Licht und Schatten umfasst.
With the twilight colors falling
And the evening laying shadows
Hidden memories come stealing from my mind
As I feel my own heart beating out
The simple joy of living
I wonder how I ever was that kind.*
(Johnny Cash
Hansueli Hauenstein
