Als Jesus ins Haus hineinging, traten die Blinden auf ihn zu, und Jesus sagte zu ihnen: Glaubt ihr, dass ich dies tun kann? Sie sagten zu ihm: Ja, Herr. (Matthäus 9, 28)
Viermal wird in den Evangelien erzählt, wie Jesus einen oder zwei Blinde heilt. Vier sehr ähnliche Geschichten, die bei genauem Hinsehen feine Unterschiede haben. Hier ist die einzige Stelle, an der Jesus ausdrücklich fragt, ob die Blinden ihm die Heilung zutrauen. Und erst nachher berührt er ihre Augen und das, was sie geglaubt haben, geschieht.
Auch bei unseren modernen und wissenschaftlichen Heilmitteln ist inzwischen bewiesen, dass die Erwartung, dass etwas hilft, Heilkräfte im Patienten oder der Patientin freisetzt. Um als Heilmittel zugelassen zu werden, muss darum ein Medikament stärker wirken als die Tabletten ohne Wirkstoff.
Bisweilen wird abschätzig von etwas gesagt, dass es nur auf dem Placebo-Effekt beruht. Aber man kann das auch anders sehen: ist es nicht wunderbar, dass es für eine Heilung oder Besserung nicht immer hochwirksame Chemie braucht?
Aber wie ist es dann mit Jesus und dem Glauben an ihn? Sind das auch nur Placebos? Oder eher ein «echtes» Heilmittel, das aber nur wirkt, wenn man es ernst nimmt und anwendet?
Barmherziger Gott,
wir suchen Heilung für unsere Nöte, für seelische und körperliche Schmerzen.
Wir danken Dir für alles, was die moderne Wissenschaft und Medizin erreicht hat.
Und wir bitten Dich, schenke uns das, was wir darüber hinaus nötig haben.
Brigitta Josef, Pfarrerin
