Wohin soll ich gehen vor deinem Geist
und wohin fliehen vor deinem Angesicht?
Stiege ich hinauf zum Himmel, bist du dort,
und schlüge ich mein Lager auf in der Unterwelt
siehe, du bist da. (Psalm 139,7-8)
Dass Gott im Himmel wohnt, weiss jedes Kind. Erwachsene haben es ihm beigebracht. Dass ich dem Göttlichen auch in der Unterwelt begegne, in der Welt des Unheimlichen, Finsteren, Schattenhaften und Leblosen, ist weniger offensichtlich. Oder?
Gerade dort wäre seine oder ihre Gegenwart doch nötig; nötiger jedenfalls als im fernen Himmel, den wir ja auch noch permanent mit dem Raum der Wolken und Sterne verwechseln.
Am 11. September wird in Sins der neue Umfahrungstunnel eingeweiht. Seine 912 Meter Länge fügen der Schweizer Tunnelstrecke, die zusammengesetzt von Sizilien bis Dänemark reichen würde, ein weiteres Stück hinzu. Ja, wir sind Weltmeister im Erstellen von Unterwelten, wo wir das Laute und Hässliche verschwinden lassen, es zudecken mit idyllischen Naturlandschaften.
Möge der göttliche Geist auch diese verborgenen Räume beleben, gerade dann, wenn ich – Gott sei Dank! – mein Lager dort nicht aufschlagen muss.
Du breitest den Himmel weit über uns aus,
dass Schatten und Schuld vergehen.
(Kirchengesangbuch Nr. 581)
Hansueli Hauenstein, Pfarrer
