Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl. Aber du weisst nicht, woher er kommt, noch wohin er geht. So sind alle, die aus dem Geist geboren sind. (Johannes 3,8)
Als mein erstes Kind auf die Welt kam, erfüllte mich ein mächtig brausendes Staunen, und ich wusste nicht, woher es kam und noch viel weniger, wohin es gehen würde: es, das Kind, und es, das Staunen.
Deshalb wollte ich diesem Kind einen Gedanken auf den Weg geben, der dem Unverfügbaren und Unplanbaren Ausdruck verlieh, und wählte das Spiel mit dem Wind aus dem Johannesevangelium, das mir schon immer gefallen hatte. Es diente als Segen für die Taufe, diese erste Wiedergeburt und Zeichen geistiger Freiheit.
Seither habe ich den Zuspruch anderen Menschen mit in ihre Zukunft gegeben, jungen Menschen bei der Konfirmation etwa, und zwar immer denen, die mir durch ihre Eigenständigkeit und Eigenwilligkeit, ihre Unbestechlichkeit und Fremdheit in dieser Welt besonders nahe waren.
Das Sausen des Geistes, das immer nur jetzt und hier wahrnehmbar ist, macht uns zu Windgeschöpfen, kümmert sich wenig um Regeln und Ordnungen, um allgemein Bekanntes und Berechenbares und bringt uns neu zur Welt, hier und jetzt.
Und wer denkt, das gelte nur für Kinder und Junge, irrt sich. Nikodemus, zu dem Christus das schöne Wort sagt, ist schon alt. Aber der Geist pfeift auch darauf.
Hergesandt aus Welten, / die noch niemand sah,
kommt der Geist zu uns, und Gott ist selber da.
(Kirchengesangbuch Nr. 516)
Hansueli Hauenstein, Pfarrer
